Wenn ich jetzt im November durch den Garten gehe, denke ich unweigerlich an die vergangenen Monate zurück. Vieles ist schon abgeerntet, die Beete werden langsam leer und das Laub sammelt sich unter den Bäumen. Nach diesem Gartenjahr bin ich ehrlich gesagt auch ein wenig froh, dass es ruhiger wird. Die Trockenheit hat uns heuer ganz schön gefordert, und dann waren da noch die Erdflöhe, die sich über manche Pflanzen mit einer Begeisterung hergemacht haben, die ich mir lieber bei anderen Gartenbewohnern gewünscht hätte.
Aber es gab auch schöne Überraschungen. Die Feigen und Granatäpfel, Äpfel und Birnen – und dann wären da noch meine sechs Pistazien, die tatsächlich auf ihre erste Ernte warten. Sechs Stück! Darüber kann man sich schon freuen. Vor allem, wenn man weiß, wie lange es dauert, bis ein Pistazienbaum überhaupt die ersten Früchte trägt.
Vor allem die Trockenheit hat uns ordentlich beschäftigt. Wochenlang zu wenig Regen, ausgetrocknete Böden und Pflanzen, die trotz aller Bemühungen kaum wachsen wollten. Im pannonischen Klima sind heiße, trockene Sommer zwar nichts Neues, aber die langen Trockenphasen werden zunehmend zur Herausforderung. Selbst robuste Kulturen kamen zeitweise an ihre Grenzen.
Besonders deutlich wurde das im Gemüsegarten. Wo der Boden nicht ausreichend mit Mulch bedeckt war, trocknete die Erde rasch aus. Gießen allein konnte das Problem nicht lösen. Oft war die Oberfläche schon wenige Stunden später wieder trocken. Einmal mehr hat sich gezeigt, wie wichtig Humus, eine gute Bodenstruktur und eine möglichst geschlossene Pflanzendecke sind.
Als wäre die Trockenheit nicht genug gewesen, machten uns heuer auch die Erdflöhe ordentlich zu schaffen. Diese winzigen, springenden Blattkäfer haben vor allem den jungen Kohlpflanzen zugesetzt. Besonders ärgerlich war der Schaden an meinen Wasabipflanzen, die den gefräßigen Käfern ebenfalls zum Opfer fielen. Kaum waren frische Blätter gewachsen, waren sie schon wieder von unzähligen kleinen Löchern übersät. Manche Jungpflanzen hatten überhaupt keine Chance, sich richtig zu entwickeln.
Erdflöhe lieben warme, trockene Bedingungen. Genau jene Witterung, die uns heuer so zu schaffen gemacht hat, begünstigte auch ihre Ausbreitung. Besonders junge Kreuzblütler wie Radieschen, Rucola, Kohl und Wasabi gehören zu ihren bevorzugten Futterpflanzen. Für das kommende Jahr werde ich deshalb einiges anders machen. Empfindliche Kulturen sollen bereits unmittelbar nach der Aussaat oder Pflanzung mit feinmaschigen Kulturschutznetzen geschützt werden. Auch eine gleichmäßige Bodenfeuchtigkeit und andere Aussaattermine können helfen.
Zum Glück gab es neben all den Schwierigkeiten auch erfreuliche Überraschungen. Neben Äpfeln und Birnen gehören inzwischen auch Feigen und Granatäpfel zu den Früchten aus meinem Garten. Was früher eher nach mediterranem Urlaub klang, wächst heute auch bei uns im Südburgenland. Die wärmeren Temperaturen machen manches möglich, bringen aber gleichzeitig neue Herausforderungen mit sich.
Ein ganz besonderes Ereignis steht allerdings noch bevor: meine erste Pistazienernte! Ganze sechs Stück hängen am Baum. Ja, tatsächlich sechs Pistazien! Wirtschaftlich betrachtet natürlich keine Sensation, aber nach all den Jahren des Wartens darf man sich über die erste eigene Ernte durchaus freuen. Schließlich beginnt jede große Ernte irgendwann einmal klein. Und sechs selbst gezogene Pistazien sind mir allemal lieber als gar keine.
Jetzt im November geht es vor allem darum, den Boden für das nächste Gartenjahr vorzubereiten. Dabei verzichte ich weitgehend auf das Umgraben. Stattdessen bleiben gesunde Pflanzenreste auf den Beeten, ergänzt durch Laub und reifen Kompost. Regenwürmer und Bodenorganismen übernehmen einen großen Teil der Arbeit. Eine schützende Mulchschicht hilft außerdem, die Bodenstruktur zu erhalten und die Winterfeuchtigkeit besser zu nutzen.
Gerade nach einem so trockenen Jahr ist jeder Niederschlag willkommen. Allerdings braucht ein ausgetrockneter Boden Zeit, um wieder ausreichend Wasser aufzunehmen. Starkregen kann fehlenden, gleichmäßigen Regen nicht einfach ersetzen. Umso wichtiger ist es, die Erde langfristig humusreicher und widerstandsfähiger zu machen.
Auch im restlichen Garten bleibt vieles bewusst stehen. Sonnenhut, Indianernessel und andere Stauden dürfen ihre trockenen Samenstände behalten. Sie bieten Vögeln Nahrung und Insekten geschützte Überwinterungsplätze. Laub wird unter Sträuchern verteilt oder auf den Kompost gegeben. Nicht jede Ecke muss ordentlich aussehen. Ein naturnaher Garten darf auch im Winter ein wenig wild sein.

Was ich aus diesem Gartenjahr besonders mitnehme, ist die Erkenntnis, dass wir unsere Gärten noch stärker an längere Trockenperioden anpassen müssen. Weniger offene Bodenflächen, mehr Mulch, gezieltes Gießen, widerstandsfähige Sorten und eine größere Pflanzenvielfalt werden immer wichtiger. Nicht jede traditionelle Gartenregel funktioniert unter den veränderten klimatischen Bedingungen noch gleich gut.
Der November ist für mich deshalb nicht nur eine Zeit des Aufräumens, sondern auch des Nachdenkens und Planens. Welche Pflanzen haben sich bewährt? Wo muss ich den Boden verbessern? Welche Kulturen werde ich künftig besser vor Schädlingen schützen?
Jetzt darf der Garten erst einmal zur Ruhe kommen. Und ich freue mich über jeden Regentag, der die Erde langsam wieder mit Feuchtigkeit versorgt.
Denn eines hat mir dieses Gartenjahr wieder gezeigt: Im Garten können wir vieles planen, aber die Natur hat immer noch das letzte Wort. Und manchmal reichen schon sechs Pistazien, um sich über ein schwieriges Gartenjahr trotzdem zu freuen.