Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose.“
– Gertrude Stein

Manche Pflanzen sind gerade modern, andere geraten wieder in Vergessenheit. Die Rose hingegen begleitet die Menschheit seit Jahrtausenden. Sie hat Kriege, Königreiche, Moden und Gartentrends überlebt. Während viele Pflanzen kommen und gehen, steht die Rose noch immer im Mittelpunkt unserer Gärten. Nicht umsonst wird sie seit Jahrhunderten als Königin der Blumen bezeichnet.

Wenn bei mir die ersten Rosenknospen aufgehen, bleibt die Gartenarbeit oft für einen Moment liegen. Dann wird erst einmal geschnuppert. Es gibt Düfte, die kann man kaum beschreiben. Manche Rosen riechen nach Honig, andere nach Früchten, wieder andere nach einem warmen Sommertag. Viele moderne Schnittblumen aus dem Blumenladen sehen zwar perfekt aus, haben aber ihren Duft fast verloren. Eine alte Gartenrose dagegen kündigt ihre Blüte oft schon an, bevor man sie überhaupt sieht.

Dabei begann die Geschichte der Rose eigentlich ganz bescheiden. Die Vorfahren unserer heutigen Gartenrosen waren Wildrosen. Wer im Frühsommer an einem Waldrand oder einer Hecke vorbeikommt, entdeckt vielleicht die Hundsrose mit ihren einfachen rosa Blüten. Fünf Blütenblätter, ein goldgelbes Zentrum voller Staubblätter und ein reger Besuch von Wildbienen. So sahen Rosen ursprünglich aus.

Botanisch gehört die Rose zur Familie der Rosengewächse. Das merkt man, wenn man genauer hinsieht. Äpfel, Birnen, Kirschen, Zwetschken, Erdbeeren, Himbeeren und Brombeeren gehören ebenfalls zu dieser Familie. Viele unserer liebsten Gartenpflanzen sind also mit der Rose verwandt.

Aus den Wildrosen entstanden über Jahrhunderte hinweg die Rosen, die wir heute kennen. Gärtner und Züchter kreuzten besonders schöne Pflanzen miteinander. Rosen aus Persien, dem Orient und später aus China brachten neue Farben, Düfte und Blüheigenschaften nach Europa. Vor allem die chinesischen Rosen sorgten für eine kleine Revolution. Während viele europäische Rosen nur einmal im Jahr blühten, konnten sie immer wieder neue Blüten hervorbringen.

Aus dieser langen Entwicklung entstanden Tausende Sorten. Die einfachen Wildrosen verwandelten sich langsam in die gefüllten Blütenbälle, die wir heute bewundern. Botanisch betrachtet wurden dabei viele Staubblätter zu zusätzlichen Blütenblättern umgebildet. Was für uns heute selbstverständlich aussieht, ist das Ergebnis jahrhundertelanger Züchtungsarbeit.

Spricht man von berühmten Rosenzüchtern, fällt fast immer ein Name: David Austin. Der Engländer hatte einen Traum. Er wollte die Schönheit und den Duft alter Rosen mit der langen Blüte moderner Sorten verbinden. Seine Rosen haben Gärten auf der ganzen Welt erobert. Viele Gartenfreunde kennen seine Sorten besser als manche Prominenten.

Doch die Rose war nie nur eine Zierpflanze. Schon in den Klostergärten des Mittelalters wurde sie als Heilpflanze geschätzt. Besonders die Hagebutten spielen bis heute eine wichtige Rolle in der Naturheilkunde.

Die bekanntesten stammen von der Hundsrose. Im Herbst leuchten ihre roten Früchte in Hecken und an Waldrändern. Als Kind habe ich gelernt, dass man sie nach dem ersten Frost sammeln Fest steht: Hagebutten enthalten erstaunlich viel Vitamin C und wurden früher oft genutzt, um über den Winter zu kommen. Aus ihnen entstehen Tee, Mus, Marmelade oder Hagebuttenpulver.

Heute interessieren sich viele Menschen vor allem wegen ihrer möglichen Wirkung auf Gelenke und Beweglichkeit für Hagebutten. Die Forschung beschäftigt sich seit Jahren mit ihren Inhaltsstoffen. Auch wenn sie kein Wundermittel sind, gehören Hagebutten wohl zu den spannendsten heimischen Wildfrüchten überhaupt.

Nicht nur die Früchte wurden genutzt. Die Apothekerrose war bereits im Mittelalter eine wichtige Heilpflanze. Ihre Blüten fanden ihren Weg in Tees, Salben und Tinkturen. Die Damaszenerrose wiederum schenkt uns Rosenwasser und das kostbare Rosenöl. Für wenige Tropfen Öl werden unzählige Blüten benötigt. Vielleicht erklärt das auch, warum echter Rosenduft etwas ganz Besonderes ist.

Auch Hildegard von Bingen kannte die Rose gut. Sie empfahl Rosenblätter bei gereizten Augen und Kopfschmerzen und beschrieb die Rose als kühlende Pflanze. Gleichzeitig sah sie in ihr etwas, das Herz und Seele erfreut. Wer einmal an einer duftenden Rose geschnuppert hat, kann diesen Gedanken durchaus nachvollziehen.

Überhaupt ranken sich um die Rose unzählige Geschichten. Im Christentum wurde sie zum Symbol für Reinheit, Liebe und göttliche Schönheit. Die weiße Rose wird oft mit Maria verbunden. Die rote Rose steht für Liebe und Hingabe. Selbst der Rosenkranz trägt die Rose bereits im Namen.

Im Volksglauben galt die Rose als Schutzpflanze. Wildrosenhecken sollten böse Geister fernhalten. Dornen wurden als natürlicher Schutzwall angesehen. Heute mag man darüber schmunzeln, doch wer einmal versucht hat, sich durch eine dichte Wildrosenhecke zu kämpfen, versteht schnell, warum man ihr besondere Kräfte zuschrieb.

Was ich an Rosen besonders mag: Sie sind nicht nur schön. Ungefüllte Rosen ernähren Wildbienen und Hummeln. Im Herbst fressen Vögel die Hagebutten. Alte Strauchrosen bieten Schutz für zahlreiche Tiere. Eine Rose kann also weit mehr sein als eine hübsche Blume.

Vielleicht ist das ihr wahres Geheimnis. Die Rose vereint alles, was Menschen seit Jahrhunderten schätzen. Sie ist schön, nützlich, duftet wunderbar, besitzt eine spannende Geschichte und hat ihren Platz in Mythologie, Glauben, Naturheilkunde und Gartenkultur gefunden.

Pflanzabstände

RosengruppeEmpfohlener Pflanzabstand
Wildrosen1,5–3 m
Historische Rosen1–2 m
Edelrosen40–50 cm
Beetrosen40–60 cm
Strauchrosen1–2 m
Kletterrosen2–3 m
Ramblerrosen3–5 m
Bodendeckerrosen40–80 cm
Englische Rosen1–1,5 m
Duftrosenje nach Wuchsform 0,5–1,5 m
ADR-Rosenje nach Sorte 0,5–1,5 m

Faustregel für alle Rosen: Je sonniger und luftiger der Standort, desto gesünder bleiben die Pflanzen. Rosen lieben Sonne, tiefgründigen Boden und eine jährliche Gabe von Kompost. Frischen Mist mögen sie dagegen gar nicht. Einmal gut eingewachsen, sind viele Rosensorten deutlich pflegeleichter, als ihr Ruf vermuten lässt. 🌹

ADR steht für „Allgemeine Deutsche Rosenneuheitenprüfung“.

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