Die Indianernessel (Monarda didyma), auch als Goldmelisse, Scharlach-Monarde, Wilde Bergamotte, Oswego-Tee, Pferdeminze oder Riesenbalsam bekannt, gehört zu den Pflanzen, die gleich mehrere Talente in sich vereinen. Sie ist eine wunderschöne Blühstaude, eine hervorragende Bienen- und Schmetterlingspflanze, ein aromatisches Küchenkraut und eine traditionsreiche Heilpflanze. Mit ihren leuchtenden Blüten bringt sie von Juni bis September kräftige Farben in den Garten und lockt dabei unzählige Hummeln, Wildbienen, Honigbienen und Schmetterlinge an. Schon beim Vorbeigehen verströmen ihre Blätter einen intensiven Duft, der je nach Art an Zitrusfrüchte, Bergamotte, Minze, Oregano oder Thymian erinnert. Ich freue mich jedes Jahr auf ihre Blüte. Allerdings musste ich lernen, geduldig zu sein. Die ersten zwei Jahre habe ich bewusst weder Blätter noch Blüten geerntet, damit die Pflanzen ihre ganze Kraft in die Wurzelbildung stecken konnten. Manchmal ist Geduld im Garten eben die beste Investition. Heute werde ich dafür mit kräftigen Horsten, einer üppigen Blüte und einer reichen Ernte belohnt.

Botanisch gehört die Indianernessel zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae) und ist damit mit Salbei, Thymian, Minze oder Zitronenmelisse verwandt. Die Gattung Monarda umfasst etwa zwanzig Arten. Besonders verbreitet sind die Scharlach-Indianernessel (Monarda didyma) und die Wilde Bergamotte (Monarda fistulosa) sowie zahlreiche Kreuzungen aus beiden Arten. Die ausdauernden Stauden erreichen je nach Sorte Höhen zwischen 60 und 150 Zentimetern. Typisch sind die vierkantigen Stängel, die gegenständig angeordneten, leicht gezähnten Blätter und die auffälligen Blütenköpfe, die aus vielen kleinen Röhrenblüten bestehen. Die meisten heute angebotenen Sorten sind Hybriden, die sich durch unterschiedliche Blütenfarben, Wuchshöhen und oftmals auch durch eine bessere Widerstandsfähigkeit gegen Mehltau auszeichnen.

Ihre Heimat liegt im östlichen Nordamerika. Dort wächst sie auf feuchten Wiesen, an Bachläufen, lichten Waldrändern und sonnigen Prärien. Bereits im 16. Jahrhundert berichtete der spanische Arzt und Botaniker Nicolás Monardes über zahlreiche Heilpflanzen der Neuen Welt. In seinen Werken machte er viele bis dahin in Europa unbekannte Nutz- und Heilpflanzen bekannt, darunter Ananas, Mais, Erdnüsse, Tabak und den Cocastrauch. Die Indianernessel selbst wurde zwar erst später botanisch beschrieben, doch Carl von Linné ehrte Monardes, indem er die Pflanzengattung Monarda nach ihm benannte. Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts wird die Indianernessel in Europa kultiviert und hat ihren festen Platz in Bauern-, Duft-, Natur- und Staudengärten gefunden.

Ihren deutschen Namen verdankt die Pflanze den nordamerikanischen Ureinwohnern. Besonders die Oswego-Indianer bereiteten aus Blättern und Blüten einen aromatischen Kräutertee zu, weshalb die Pflanze bis heute auch Oswego-Tee genannt wird. Der Tee wurde traditionell bei Erkältungen, Fieber, Kopfschmerzen, Übelkeit, Magenbeschwerden und Nervosität getrunken. Auch andere indigene Völker Nordamerikas schätzten die Pflanze als Heil- und Gewürzkraut. Mit den europäischen Siedlern gelangte die Indianernessel schließlich nach Europa. Während der amerikanischen Unabhängigkeitsbewegung gewann der Oswego-Tee zusätzlich an Bedeutung, da er als Ersatz für den stark besteuerten Schwarztee diente. Seit dem 18. Jahrhundert wird er auch bei uns gerne getrunken. Die vielen Namen der Indianernessel sorgen oft für Verwirrung. Das liegt vor allem daran, dass mehrere Arten der Gattung Monarda im Handel angeboten werden und sich ihre Namen im Laufe der Jahrhunderte eingebürgert haben. Botanisch handelt es sich zwar um verschiedene Arten, im Alltag werden sie jedoch häufig unter demselben Namen verkauft oder beschrieben.

Der Name Indianernessel erinnert an die nordamerikanischen Ureinwohner, die die Pflanze seit Jahrhunderten als Heil- und Teepflanze nutzten. Goldmelisse entstand, weil die Blätter beim Zerreiben einen angenehmen, an Zitrusfrüchte erinnernden Duft verströmen und die Pflanze früher als melissenähnliches Heilkraut angesehen wurde – obwohl sie botanisch nicht mit der Zitronenmelisse verwandt ist. Die Bezeichnung Wilde Bergamotte verdankt sie ihrem bergamotteähnlichen Aroma, obwohl sie ebenfalls nichts mit der Bergamottefrucht zu tun hat. Oswego-Tee verweist auf das indigene Volk der Oswego, das aus Blättern und Blüten einen aromatischen Heiltee zubereitete. Namen wie Scharlach-Monarde beschreiben dagegen die leuchtend roten Blüten der Art Monarda didyma, während Pferdeminze oder Riesenbalsam alte regionale Volksnamen sind, die heute nur noch selten verwendet werden.

Zusätzlich erschweren die zahlreichen Züchtungen die Zuordnung. Viele der heute erhältlichen Pflanzen sind Kreuzungen zwischen der Scharlach-Indianernessel (Monarda didyma) und der Wilden Bergamotte (Monarda fistulosa). Deshalb können Duft, Blütenfarbe, Wuchshöhe und sogar die verwendeten Namen je nach Gärtnerei unterschiedlich sein. Am einfachsten orientiert man sich deshalb am botanischen Namen Monarda, denn unabhängig davon, ob eine Pflanze als Indianernessel, Goldmelisse oder Wilde Bergamotte verkauft wird – sie gehört zur gleichen Pflanzengattung und vereint die typischen Eigenschaften dieser faszinierenden Heil-, Duft- und Insektenpflanzen.

Die Indianernessel verdankt ihren intensiven Duft einer Vielzahl wertvoller Inhaltsstoffe. Dazu gehören ätherische Öle wie Thymol, Carvacrol, Geraniol, Linalool und Citral sowie Flavonoide, Bitterstoffe und Gerbstoffe. Besonders das Thymol kennt man auch aus dem Thymian. Es wird traditionell wegen seiner keimhemmenden Eigenschaften geschätzt und verleiht der Pflanze ihr würziges Aroma

.

In der traditionellen Naturheilkunde werden sowohl die Blätter als auch die Blüten verwendet. Die Blätter enthalten besonders viele ätherische Öle und werden frisch oder getrocknet als Tee, für Kräuterauszüge oder Dampfinhalationen verwendet. Traditionell setzt man sie bei Erkältungen, Husten, Halsschmerzen, Heiserkeit und leichtem Fieber ein. Ihnen werden schleimlösende, leicht antibakterielle, entzündungshemmende und schweißtreibende Eigenschaften zugeschrieben. Ebenso werden sie bei Blähungen, Völlegefühl, Verdauungsbeschwerden und leichten Magenkrämpfen genutzt. Aufgrund ihres aromatischen Duftes gilt die Indianernessel außerdem als beruhigend und entspannend. Deshalb wird sie in der Volksheilkunde auch bei Nervosität, innerer Unruhe oder stressbedingten Kopfschmerzen verwendet.

Auch die farbenprächtigen Blüten besitzen wertvolle Inhaltsstoffe und werden zu Tee, Sirup oder Kräuteressig verarbeitet. In der Volksheilkunde nutzt man sie traditionell zur Unterstützung bei Erkältungen sowie zur allgemeinen Stärkung. Äußerlich können Aufgüsse aus Blüten und Blättern als Waschungen oder Umschläge bei kleinen Hautreizungen, Insektenstichen oder oberflächlichen Entzündungen verwendet werden. Als Badezusatz entfalten sie ihren angenehm frischen Duft und sorgen für ein entspannendes Badeerlebnis.

Je nach Art besitzt die Indianernessel ein etwas anderes Aroma. Während die Scharlach-Indianernessel (Monarda didyma) eher frisch und leicht zitronig duftet, erinnert die Wilde Bergamotte (Monarda fistulosa) stärker an Bergamotte, Oregano und Thymian. Genau deshalb eignet sie sich hervorragend als Küchenkraut. Junge Blätter verfeinern Salate, Kräuterbutter, Kräuterquark, Frischkäse, Gemüsegerichte, Kartoffeln, Fleischgerichte oder selbstgemachte Kräuteressige. Dort, wo Thymian verwendet wird, kann oft auch die Indianernessel für eine interessante geschmackliche Note sorgen. Die essbaren Blüten sind eine wunderschöne Dekoration für Desserts, Obstsalate, Bowlen oder sommerliche Getränke.

Im Garten zeigt sich die Indianernessel als pflegeleichte und langlebige Staude. Sie bevorzugt einen sonnigen bis halbschattigen Standort. Besonders wohl fühlt sie sich an einem Platz mit Morgen- und Abendsonne. Der Boden sollte humusreich, nährstoffreich, locker und gleichmäßig feucht sein, Staunässe jedoch vermeiden. Als Präriepflanze verträgt sie kurze Trockenphasen recht gut. Während längerer Hitzeperioden sollte jedoch regelmäßig gegossen werden, da die Blüte sonst deutlich nachlässt. Im Frühjahr genügt meist etwas reifer Kompost als Düngung. Nach der Blüte können verblühte Blütenstände entfernt werden, wodurch häufig eine zweite Blüte angeregt wird. Im Herbst oder zeitigen Frühjahr schneidet man die abgestorbenen Triebe bodennah zurück. Alle drei bis fünf Jahre empfiehlt sich eine Teilung der Horste, damit die Pflanzen kräftig und blühfreudig bleiben.

Da einige Sorten empfindlich auf Echten Mehltau reagieren, sollte auf ausreichend Pflanzabstand und eine gute Luftzirkulation geachtet werden. Moderne Sorten sind häufig deutlich robuster. Wunderschöne Pflanzpartner sind Sonnenhut, Astilben, Blutweiderich, Schwertlilien, Glockenblumen, Silberkerzen oder verschiedene Ziergräser.

Für die Tierwelt gehört die Indianernessel zu den wertvollsten Sommerblühern überhaupt. Ihre nektarreichen Blüten werden unermüdlich von Honigbienen, Wildbienen, Hummeln und Schmetterlingen besucht. Dabei lässt sich manchmal ein interessantes Schauspiel beobachten. Da der Nektar tief in den langen Blütenröhren verborgen liegt, gelangen manche kurzrüsseligen Bienen und Hummeln nicht auf normalem Weg an die süße Belohnung. Stattdessen beißen sie kleine Löcher in den Blütengrund und saugen den Nektar dort heraus. In der Botanik bezeichnet man dieses Verhalten als Nektarraub, weil die Blüte dabei meist nicht bestäubt wird. Trotzdem bleibt die Indianernessel eine der wichtigsten Nektarpflanzen für unsere Insekten und sollte in naturnahen Gärten einen festen Platz haben.

Ein besonders aromatischer Sirup gelingt mit zwei großen Handvoll frischer Blüten und Blätter, einem Liter Wasser, einem Kilogramm Zucker und dem Saft von zwei unbehandelten Zitronen. Das Wasser wird aufgekocht und über die gewaschenen Blüten und Blätter gegossen. Gemeinsam mit dem Zitronensaft lässt man alles etwa 24 Stunden ziehen. Danach wird die Flüssigkeit abgeseiht, mit dem Zucker erhitzt und einige Minuten leicht gekocht, bis sich der Zucker vollständig gelöst hat. Anschließend wird der Sirup heiß in sterilisierte Flaschen gefüllt. Verdünnt mit Mineralwasser entsteht ein herrlich erfrischendes Sommergetränk. Auch Desserts, Eis, Cocktails oder Joghurt lassen sich damit wunderbar verfeinern. Wirkungen bitte beachten, als Muntermacher nicht geeignet, ich empfehle es als Abendgetränk auf der Terasse oder als warmer Schlummertrunk im Winter.

So wertvoll die Indianernessel auch ist, einige Hinweise sollten beachtet werden. Die beschriebenen Anwendungen beruhen überwiegend auf den Erfahrungen der traditionellen Volksheilkunde und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Menschen mit einer Allergie gegen Lippenblütler sollten die Pflanze zunächst nur vorsichtig ausprobieren. Ätherische Öle können empfindliche Schleimhäute reizen. Während Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Säuglingen, Kleinkindern und kleinen Kindern sollte eine regelmäßige oder medizinische Anwendung nur nach Rücksprache mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer entsprechend qualifizierten Fachperson erfolgen. Auch wer dauerhaft Medikamente einnimmt oder unter chronischen Erkrankungen leidet, sollte vor einer intensiveren Anwendung fachlichen Rat einholen. Richtig eingesetzt ist die Indianernessel jedoch eine wunderbare Bereicherung für Garten, Küche und Hausapotheke – und gleichzeitig ein kleines Paradies für unsere heimischen Bestäuber.

Feel free to share!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Gartenflüster- hier gibt es mehr davon

Thymian

Thymian, botanisch bekannt als Thymus vulgaris, ist eine aromatische Heilpflanze, die in der Kräutermedizin weit verbreitet ist. Thymian hat eine lange Geschichte der

Odermennig

Odermennig – Die stille Heilkraft am Wegesrand Manche Pflanzen drängen sich nicht in den Vordergrund. Sie locken nicht mit riesigen Blüten, spektakulären Farben

Oswego Tee

Die Zitronenmonarde (Monarda citriodora) gehört zur Familie der Lippenblütler und ist eine enge Verwandte der bekannten Monarde (Monarda didyma, Bergamotte-Monarde). Ihr zarter Duft