Die Holzbiene gehört für mich zu den faszinierendsten Gästen im Garten. Jedes Jahr freue ich mich, wenn ihr tiefes Brummen wieder zu hören ist. Man hört sie oft schon, bevor man sie sieht. Dann fliegt dieser große, schwarz glänzende Brummer durch den Garten und landet auf Salbei, Lavendel oder anderen Blütenpflanzen.Die Blauschwarze Holzbiene gehört zur Familie der Apidae und damit zu den echten Bienen. Mit einer Körperlänge von etwa 20 bis 30 Millimetern zählt sie zu den größten Wildbienen Europas. Weibchen sind meist etwas größer als die Männchen. Charakteristisch sind der tiefschwarze Körper und die violett-blau schimmernden Flügel, die besonders in der Sonne auffallen

Holzbienen sind wechselwarme Insekten und benötigen Wärme, um aktiv zu werden. Deshalb sieht man sie vor allem an sonnigen Tagen. Dank ihrer kräftigen Flugmuskulatur können sie ihre Körpertemperatur erhöhen und bereits bei kühleren Temperaturen fliegen als viele andere Insekten.

Bei uns haben sich die Holzbienen sogar direkt neben der Terrasse angesiedelt. Der Holzstaffel neben der Terrasse scheint ihnen zu besonders zu gefallen, denn dort haben sie ihre Nistgänge angelegt. Viele Menschen erschrecken, wenn sie Löcher im Holz entdecken, doch in den meisten Fällen nutzen Holzbienen bereits verwittertes oder älteres Holz und bietet genau die Bedingungen, die sie mögen.
Interessant ist auch ihre enorme Flugkraft. Holzbienen können längere Strecken zurücklegen und sind selbst bei windigem Wetter unterwegs. Ihr tiefes Brummen entsteht durch die Größe ihrer Flugmuskulatur und ist oft schon hörbar, bevor man das Tier überhaupt sieht.Holzbienen besitzen wie andere Bienenarten hochentwickelte Sinnesorgane. Ihre Facettenaugen erkennen Bewegungen hervorragend und sie können ultraviolette Muster auf Blüten wahrnehmen. Diese für Menschen unsichtbaren Markierungen weisen oft direkt den Weg zum Nektar.

Ökologisch spielen Holzbienen eine wichtige Rolle als Bestäuber. Durch ihre Größe können sie große Mengen Pollen transportieren. Viele Wildpflanzen, Kräuter und Obstgehölze profitieren von ihren Besuchen. Besonders Pflanzen mit größeren oder tieferen Blüten werden häufig von Holzbienen bestäubt.

Manchmal wird beobachtet, dass Holzbienen kleine Löcher in Blüten beißen. Dieses Verhalten nennt man Nektarraub. Statt durch die Blüte einzudringen, bohren sie direkt ein Loch in den Blütenkelch, um an den Nektar zu gelangen. Besonders bei langröhrigen Blüten kommt das vor. Dennoch leisten sie insgesamt einen wichtigen Beitrag zur Bestäubung vieler Pflanzen.

Die Holzbiene ist eine Einzelgängerin. Anders als Honigbienen bildet sie keine großen Völker. Jedes Weibchen kümmert sich selbst um den Nachwuchs. Mit erstaunlicher Kraft nagt sie Gänge in das Holz. Dort legt sie einzelne Brutzellen an, füllt diese mit Pollen und Nektar und legt jeweils ein Ei hinein. Die Larven entwickeln sich geschützt im Inneren des Holzes und verbringen dort oft viele Monate.

Für den Garten sind Holzbienen von unschätzbarem Wert. Sie gehören zu den wichtigsten Bestäubern vieler Blühpflanzen. Während sie von Blüte zu Blüte fliegen, übertragen sie Pollen und sorgen dafür, dass Obstbäume, Beerensträucher, Kräuter und zahlreiche Wildpflanzen Samen und Früchte bilden können. Gerade in Naturgärten übernehmen Wildbienen einen großen Teil dieser Arbeit. Ohne sie gäbe es deutlich weniger Früchte und eine geringere Artenvielfalt.

Besonders gerne besuchen Holzbienen Lavendel, Salbei, Wicken, Platterbsen, Glockenblumen, Natternkopf und viele Kräuter. Wer einen Garten mit vielen Blüten hat, wird sie oft beobachten können. Sie sind dabei erstaunlich friedlich. Trotz ihrer Größe interessieren sie sich kaum für Menschen und gehen Streit lieber aus dem Weg.

Natürlich haben auch Holzbienen Feinde. Zu den größten Gefahren zählen verschiedene Vogelarten. Besonders Spechte, Meisen und andere insektenfressende Vögel können Larven aus den Holzgängen holen. Auch Spinnen schlagen gelegentlich zu, wenn eine Holzbiene ins Netz gerät. Darüber hinaus gibt es parasitische Insekten, die ihre Eier in die Brutzellen legen und deren Nachwuchs sich dann von den Vorräten oder sogar den Larven ernährt.

Der größte Feind der Holzbiene ist jedoch oft der Mensch. In vielen Gärten werden abgestorbene Äste, alte Baumstämme oder verwitterte Holzstücke sofort entfernt. Totholz gilt vielerorts noch immer als unordentlich. Dabei ist es ein wichtiger Lebensraum für unzählige Tiere. Wo jedes Stück Holz entsorgt wird und Gärten nur noch aus Rasen und Schotter bestehen, finden Holzbienen keine Nistplätze mehr.

Wenn ich heute auf unserer Terrasse sitze und das tiefe Brummen höre, freue ich mich jedes Mal. Die Holzbienen zeigen, dass unser Garten mehr ist als eine Ansammlung von Pflanzen. Er ist ein kleines Ökosystem, in dem Tiere, Pflanzen und Menschen ihren Platz finden.

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