
Brokkoli sucht man in meinem Garten im Sommer vergeblich. Nicht weil ich ihn nicht mag – ganz im Gegenteil. Aber nach einigen Jahren Gärtnern lernt man, welche Pflanzen zum eigenen Klima passen und wann der richtige Zeitpunkt für den Anbau ist, vor allem im eigenen Garten.
Heuer haben mir die Erdflöhe wieder gezeigt, wer im Gemüsegarten mitreden möchte. Mein Wasabi sah anfangs noch vielversprechend aus, doch innerhalb kurzer Zeit waren die Blätter voller kleiner Löcher. Wer Erdflöhe kennt, weiß, wie frustrierend das sein kann. Man geht morgens mit einer Tasse Kaffee durch den Garten, freut sich über das Wachstum, und plötzlich sieht eine Pflanze aus, als hätte jemand mit einer Mini-Lochzange gearbeitet.
Genau deshalb säe oder pflanze ich Brokkoli nicht für die Sommerernte. Erdflöhe lieben alles, was zur Kohlfamilie gehört. Ich denke wenn sie schon beim Wasabi so begeistert zugreifen, dann würde ein junger Brokkoli für sie einem gedeckten Buffet gleichen.
Dazu kommt die Hitze. Unsere Sommer sind längst nicht mehr die Sommer meiner Kindheit. Wochen mit Temperaturen weit über 30 Grad sind keine Seltenheit mehr. Während Tomaten, Paprika oder Basilikum darüber jubeln, leidet Brokkoli still vor sich hin. Er mag es lieber kühl, gleichmäßig feucht und ohne Hitzestress. Statt kräftiger Köpfe bekommt man oft kleine, lockere Röschen oder Pflanzen, die viel zu früh blühen wollen.
Natürlich könnte man ständig gießen, schattieren und gegen die Erdflöhe kämpfen. Aber Gartenarbeit soll für mich Freude machen und nicht in Stress ausarten. Deshalb habe ich für mich beschlossen, dem Brokkoli einfach die Bedingungen zu geben, die er mag.
Wenn der Hochsommer langsam seinen Höhepunkt überschritten hat, beginnt seine Zeit. Dann werden die Jungpflanzen gesetzt. Die Nächte werden wieder kühler, der Boden speichert mehr Feuchtigkeit und auch die Erdflöhe verlieren etwas von ihrem Tatendrang. Plötzlich wächst der Brokkoli so, wie man es sich wünscht. Kräftig, gesund und ohne ständige Rettungsaktionen.
Die Aussaat erfolgt bei mir jetzt dann im Juli, entweder in Anzuchtschalen oder in kleinen Töpfen. Während Tomaten und Gurken ihre Hochsaison haben, wachsen die Brokkolipflänzchen im Halbschatten heran. Sobald sie kräftig genug sind, werden sie im August ins Beet gesetzt. Zu dieser Zeit sind die heißesten Wochen oft schon vorbei, die Nächte werden langsam kühler und der Boden verliert weniger Feuchtigkeit. Als Vorkultur sind da jetzt noch Erbsen,
Genau das liebt Brokkoli. Er gehört zu den Kohlgewächsen und bevorzugt Temperaturen zwischen etwa 15 und 22 Grad. Unter diesen Bedingungen kann er kräftige Blätter und später schöne feste Köpfe bilden. Im Herbst kommt oft noch ein weiterer Vorteil dazu: Die Erdflöhe, die im Frühjahr und Hochsommer besonders aktiv sind, werden mit sinkenden Temperaturen deutlich weniger lästig.
Wichtig ist ein nährstoffreicher Boden, denn Brokkoli zählt zu den Starkzehrern. Eine gute Portion Kompost vor dem Pflanzen wirkt oft Wunder. Auch regelmäßiges Gießen bleibt wichtig, allerdings trocknet der Boden im Herbst meist nicht mehr so rasch aus wie im Hochsommer.
Je nach Sorte kann ab Oktober bis in den November hinein geerntet werden. Leichte Fröste machen vielen Brokkolisorten sogar wenig aus. Oft wird die Qualität der Köpfe durch die kühleren Temperaturen sogar besser. Schneidet man den Hauptkopf ab, bilden viele Sorten anschließend noch kleinere Seitentriebe, die über Wochen geerntet werden können.