Thymian kann zu einem schönen Strauch wachsen

Wenn die kalte Jahreszeit im Hianzenland Einzug hält und der Wind übers Weingebirg pfeift, dann zieht in meinem Kräuterkammerl wieder der Thymianduft ein. Während er im Sommer in der Küche für mediterrane Würze sorgt, wird er im Herbst und Winter zum treuen Begleiter bei Husten, Heiserkeit und verschleimten Atemwegen.

Thymian (Thymus vulgaris) gehört zu jenen Kräutern, die schon seit Jahrhunderten geschätzt werden. Die alten Griechen weihten ihn dem Mut und der Lebenskraft – und Hildegard von Bingen schrieb ihm heilende Wirkung bei „Brustleiden“ zu. Wenn man die feinen Blätter zwischen den Fingern zerreibt, spürt man gleich: da steckt Energie drinnen.

Thymian war schon immer mehr als nur ein Würzkraut – er galt als Schutz- und Mutpflanze, die Körper und Seele stärkt. In alten Zeiten glaubten die Menschen, dass sein Duft böse Geister vertreibt und das Haus reinigt. Darum durfte Thymian in keinem Garten fehlen, und besonders in den Raunächten oder bei Krankheit wurde mit ihm geräuchert, um das Heim von „schlechter Luft“ und Unglück zu befreien. Der Rauch sollte Krankheitserreger fernhalten und die Räume harmonisieren. Schon die alten Griechen schätzten Thymian als Symbol für Mut und Kraft. Krieger badeten vor der Schlacht in Thymianwasser oder trugen kleine Zweige davon bei sich, um tapfer und unerschrocken zu sein. Im Mittelalter setzte sich dieser Glaube fort – Thymian stand für Lebenskraft, Reinheit und Schutz. Auch in der Liebe spielte das Kraut eine Rolle. Junge Frauen legten Thymian unter ihr Kopfkissen, um vom zukünftigen Liebsten zu träumen, und in manchen Regionen galt er als Glücksbringer für Liebende. In Hochzeitssträußen wurde er mit Rosmarin und Myrte gebunden, als Zeichen für Treue und Lebensfreude. Ein Topf Thymian auf der Fensterbank oder am Hauseingang galt als Haussegen und sollte Neid und böse Gedanken fernhalten. Man band auch kleine Sträußchen an Kinderwiegen, um sie vor Fieber, Krankheit und dem bösen Blick zu schützen. Thymian war also nicht nur Heil- und Räucherkraut, sondern ein Sinnbild für Schutz, Mut und Liebe – und ein Stück altes Wissen, das bis heute weiterlebt, wenn wir seinen würzigen Duft einatmen und uns daran erinnern, wie eng Natur und Glaube früher verbunden waren.

Die kleinen Blätter sind wahre Wirkstoffpakete:

  • Ätherische Öle mit Thymol und Carvacrol wirken antibakteriell und antiviral
  • Gerb- und Bitterstoffe stärken die Abwehrkräfte
  • Flavonoide beruhigen gereizte Schleimhäute

Diese Kombination macht Thymian zu einem klassischen Hausmittel gegen Husten, Schnupfen und Bronchitis. Er löst den Schleim, erleichtert das Abhusten und hilft, die Atemwege zu beruhigen.

Meine liebsten Anwendungen in der Erkältungszeit:

Ein Teelöffel getrockneter Thymian auf eine Tasse heißes Wasser, zehn Minuten ziehen lassen – und schon duftet das ganze Haus nach Sommer. Der Tee hilft bei Husten, Heiserkeit und wirkt leicht desinfizierend. Mit etwas Honig verfeinert, ist er besonders angenehm für den Hals.

Eine Handvoll frischer Thymianzweige oder ein paar Tropfen ätherisches Thymianöl in heißes Wasser geben. Kopf über die Schüssel, Handtuch drüber, tief atmen – das befreit Nase und Bronchien und wirkt wohltuend bei Schnupfen und Husten

Ein Glas Honig mit frischem Thymian ansetzen und zwei Wochen ziehen lassen. Danach abseihen. Der aromatische Hustensirup hilft bei Halsschmerzen und Hustenreiz – und schmeckt wunderbar auf einem Stück Brot oder im Tee.

⚠️ Wichtiger Hinweis:

Ätherisches Thymianöl ist sehr konzentriert! Es darf niemals unverdünnt auf die Haut aufgetragen werden, da es Hautreizungen verursachen kann.
Kindern und Schwangeren sollte man vorher Rücksprache mit einer Kräuterfachperson oder Ärztin halten bei der Anwendung von Thymian als Tee oder andere Anwendungen.

Thymian liebt Sonne und mag es trocken – das pannonische Klima im Südburgenland ist also perfekt für ihn. Ich schneide meine Pflanzen kurz vor der Blüte, wenn sie am meisten ätherische Öle enthalten. Getrocknet bewahre ich die Zweige im Glas auf – so ist immer eine Portion Kräuterkraft zur Hand, wenn der Hals kratzt oder die Nase läuft.

Ob als Tee, Honig oder Inhalation – Thymian ist ein echtes Multitalent in der Hausapotheke. Seine Wirkung ist sanft, aber zuverlässig. Und jedes Mal, wenn ich den Duft einatme, fühle ich mich ein kleines Stück gesünder, stärker und wacher – ganz so, wie es der Name verspricht: Thymian – der Mut und Kraft schenkt.

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