
Es gibt Pflanzen, die drängen sich nicht auf. Sie schreien nicht „hier bin ich“, sie tun einfach still das, was sie seit Jahrhunderten tun – helfen, beruhigen, begleiten. Die Römische Kamille, auch „Edle Kamille“ genannt, ist genau so eine Pflanze. Fein, leise, zuverlässig. Eine Freundin der stillen Sorte, die einfach gut tut, ohne viel Aufhebens darum zu machen.
Ein Blick zurück: Geschichte & Herkunft
Die Römische Kamille (Chamaemelum nobile) stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum und war schon in der Antike geschätzt. Anders als ihre bekanntere Schwester, die Echte Kamille (Matricaria chamomilla), wurde sie nicht in Mitteleuropa heimisch, sondern ist vor allem in Südwesteuropa verbreitet – in sandigen, warmen Gegenden, auf sonnigen Hügeln, wo der Boden mager ist und der Wind nach Kräutern duftet.
Schon die alten Römer nutzten sie zur Pflege von Körper und Geist. Sie badeten in ihr, räucherten mit ihr, verwendeten ihre Blüten zur Beruhigung des Magens und als Duftträger. Der Name „nobile“ – edel – weist darauf hin, dass sie besonders geschätzt war. Später wurde sie auch in den Klostergärten des Mittelalters kultiviert und als sanftes Mittel für Schwangere, Kinder und Empfindsame verwendet – denn sie gilt als die mildere, feinere Kamille.
Unterschiede zur Echten Kamille
Auf den ersten Blick ähneln sich die beiden Kamillenarten – weiße Zungenblüten, gelbe Mitte, zart gefiedertes Grün. Aber wer genau hinschaut (und schnuppert), merkt schnell die Unterschiede:
- Die Echte Kamille ist einjährig, hat einen hohlen Blütenboden und einen intensiveren Duft, fast scharf.
- Die Römische Kamille ist mehrjährig, hat einen voll ausgefüllten Blütenboden, wächst eher kriechend und hat ein milderes, apfelähnliches Aroma – daher auch der englische Name „Roman chamomile“ oder „Apple-scented chamomile“.
Sie enthält andere Inhaltsstoffe – weniger Matricin, dafür mehr Esterverbindungen, die für die besonders beruhigende und entspannende Wirkung verantwortlich sind.
Heilwirkung: Sanft, aber tief wirksam
Die Römische Kamille ist eine klassische Heilpflanze für Körper und Seele. Ihre Inhaltsstoffe – vor allem ätherisches Öl (mit Angelate, Butyrate), Bitterstoffe, Flavonoide und Gerbstoffe – wirken:
- beruhigend & nervenstärkend – bei Unruhe, Ängsten, Einschlafproblemen
- krampflösend & verdauungsfördernd – bei Reizmagen, Blähungen, nervösen Darmbeschwerden
- entzündungshemmend & reizlindernd – bei Hautproblemen, gereizten Schleimhäuten
- schmerzlindernd & ausgleichend – bei Menstruationsbeschwerden, Spannungskopfschmerzen
- stimmungsaufhellend & ausgleichend – bei PMS, seelischer Verstimmung, hormonellem Ungleichgewicht
Sie eignet sich daher besonders für sensible Menschen, Kinder, ältere Personen – also alle, die lieber sanft begleitet als „durchgeschüttelt“ werden wollen.
Das ätherische Öl der Römischen Kamille zählt zu den teuersten und zugleich wertvollsten Ölen in der Aromatherapie. Es wird gern bei Stress, innerer Anspannung, Hautreizungen und Schlafproblemen eingesetzt – ein Tropfen genügt.
Anwendung & Hausmittel mit Römischer Kamille
Tee:
Die getrockneten Blüten (einzeln oder in Mischungen mit Melisse, Lavendel, Haferkraut oder Fenchel) als Tee zubereitet helfen bei nervösen Magenbeschwerden, Reizdarm, Einschlafproblemen und leichter innerer Unruhe.
💡 1–2 TL Blüten auf 250 ml heißes Wasser, 5–10 Minuten ziehen lassen, abseihen, schluckweise trinken
Badezusatz:
Ein Kamillenbad beruhigt nicht nur die Haut, sondern auch das Gemüt. Einfach eine Handvoll Blüten in einem Leinensäckchen mit heißem Wasser übergießen, ziehen lassen und ins Badewasser geben. Ideal vor dem Schlafengehen.
Gesichtsdampfbad:
Bei empfindlicher, gereizter oder unreiner Haut wirkt die Römische Kamille beruhigend und ausgleichend. 1 EL Blüten mit heißem Wasser übergießen, Kopf darüber, Handtuch drüber – durchatmen.
Ölmazerat:
Mit einem Basisöl (z. B. Mandel- oder Jojobaöl) kann ein Kamillenöl angesetzt werden – für Bauchmassagen bei Blähungen, Einreibungen bei PMS oder einfach zur Entspannung.
💡 Blüten in Öl einlegen, 2–3 Wochen ziehen lassen, filtern, kühl lagern.
Aromatherapie:
Das ätherische Öl (Vorsicht: nur das Chamaemelum nobile, nicht das blaue Öl der Echten Kamille!) wirkt stark seelisch – angstlösend, beruhigend, harmonisierend. Ein Tropfen auf dem Kopfkissen oder im Diffuser genügt.
Im Garten: zart, mehrjährig & duftend
Die Römische Kamille ist mehrjährig, liebt sonnige, trockene Standorte und ist ideal für duftende Kräuterrasen, Wegränder oder Steingärten. Sie bleibt niedrig, bildet hübsche kleine Teppiche, und duftet herrlich, wenn man darüber geht. Sie lässt sich gut mit Lavendel, Salbei, Thymian oder Rosmarin kombinieren.
Sie ist winterhart, mag aber keine Staunässe. Einmal gut eingewachsen, braucht sie kaum Pflege – nur Sonne und Luft.