Wenn die Sommerhitze über das Land zieht, die Luft steht und selbst im Schatten kaum Abkühlung zu finden ist, lohnt sich ein Blick in den Kräutergarten. Viele Kräuter werden nicht nur wegen ihres Aromas geschätzt, sondern gelten seit Jahrhunderten auch als Pflanzen, die den Körper an heißen Tagen unterstützen können. Natürlich ersetzen sie weder ausreichend Flüssigkeit noch einen Platz im Schatten, doch sie bringen Frische in Getränke und Speisen und machen den Sommer ein wenig angenehmer.

Besonders spannend ist, dass viele unserer klassischen Küchen- und Heilkräuter ursprünglich aus Regionen stammen, in denen heiße Sommer keine Seltenheit sind. Dort wurden sie nicht nur zum Würzen verwendet, sondern auch als erfrischende Tees, Sirupe oder Kräuterweine geschätzt.

An erster Stelle steht für mich die Pfefferminze. Kaum eine andere Pflanze vermittelt so schnell das Gefühl von Frische. Verantwortlich dafür ist das ätherische Öl Menthol. Es erzeugt auf Haut und Schleimhäuten einen Kältereiz, obwohl die tatsächliche Temperatur unverändert bleibt. Gerade deshalb schmecken kalte Pfefferminzgetränke an heißen Tagen besonders angenehm. Pfefferminze eignet sich hervorragend für Eistees, Kräuterlimonaden oder einfach als Zugabe in einer Karaffe Wasser. Gleichzeitig wird sie traditionell bei Verdauungsbeschwerden, Völlegefühl und leichten Krämpfen eingesetzt.

Die Zitronenmelisse gehört für mich zu den unverzichtbaren Sommerkräutern. Ihr feiner Zitronenduft erinnert an warme Sommertage und blühende Gärten. Bereits die alten Klostergärten kannten und schätzten die Melisse. In der Volksheilkunde wird sie vor allem bei Nervosität, Unruhe und Einschlafproblemen verwendet. An heißen Tagen überzeugt sie jedoch vor allem durch ihren erfrischenden Geschmack. Ein kalter Melissentee oder einige frische Blätter im Trinkwasser bringen eine angenehme Leichtigkeit mit sich.

Ebenso wertvoll ist die Zitronenverbene. Wer einmal an ihren Blättern gerieben hat, versteht sofort, warum sie so beliebt ist. Ihr intensives Zitronenaroma übertrifft sogar das der Zitronenmelisse. Die Pflanze stammt ursprünglich aus Südamerika und hat längst ihren Platz in europäischen Kräutergärten gefunden. Besonders als kalter Tee, in Sorbets oder als Zutat für Sommergetränke entfaltet sie ihr volles Potenzial. Schon wenige Blätter reichen aus, um einer ganzen Karaffe Wasser ein wunderbares Aroma zu verleihen.

Ein oft unterschätztes Sommerkraut ist das Colakraut.

Sein Duft erinnert tatsächlich an Cola, allerdings deutlich feiner und natürlicher. Besonders Kinder sind von dieser Pflanze fasziniert. In kleinen Mengen kann es Sirupe, Limonaden oder Desserts aromatisieren. Gleichzeitig ist es ein echter Hingucker im Kräuterbeet und kommt mit Trockenheit erstaunlich gut zurecht.

Auch Basilikum verdient einen Platz auf der Liste der Sommerkräuter. Viele kennen ihn nur aus der italienischen Küche, doch er kann weit mehr als Tomaten und Mozzarella begleiten. Sein würzig-frisches Aroma passt hervorragend zu Wassermelone, Erdbeeren oder Pfirsichen. In manchen Ländern wird Basilikum sogar für kühlende Sommergetränke verwendet. Zudem enthält er wertvolle ätherische Öle und sekundäre Pflanzenstoffe.

Fenchel wird bereits seit der Antike geschätzt. Die zarten Blätter und die Samen finden sich in zahlreichen traditionellen Rezepten wieder. Fencheltee gilt als wohltuend für Magen und Darm und wird seit Generationen auch Kindern angeboten. Im Sommer können Fenchelblätter frische Salate bereichern oder kalten Getränken eine besondere Note verleihen. Sein leicht süßliches Aroma harmoniert wunderbar mit Zitrusfrüchten.

Auch die Duftpelargonie mit Zitronenduft, obwohl botanisch kein klassisches Küchenkraut, kann an heißen Tagen für Erfrischung sorgen. Einige Blätter im Wasser oder Tee verleihen Getränken ein feines Aroma. Allerdings sollte man dabei nur ungespritzte Pflanzen verwenden.

Interessant ist, dass viele kühlende Kräuter reich an ätherischen Ölen sind. Diese sorgen nicht nur für den typischen Duft, sondern vermitteln häufig auch das Gefühl von Frische. Gleichzeitig regen sie die Sinne an und machen das Trinken von Wasser abwechslungsreicher. Gerade Menschen, die im Sommer zu wenig trinken, können davon profitieren, wenn sie ihr Wasser mit Kräutern aromatisieren.

Wer einen Kräutergarten besitzt, kennt vermutlich das schöne Gefühl, an einem heißen Nachmittag durch die Beete zu gehen, hier ein paar Blätter Melisse zu pflücken, dort etwas Minze und Verbene. Oft entsteht daraus ganz spontan das beste Sommergetränk. Es braucht keine exotischen Zutaten und keine künstlichen Aromen. Die Natur stellt vieles bereit, was wir für eine kleine Abkühlung benötigen.

Rezept: Sommerliche Kräuterlimonade

Zutaten

  • 1 Handvoll Zitronenmelisse
  • 5 bis 6 Blätter Zitronenverbene
  • 3 Stängel Pfefferminze
  • Saft von 2 Zitronen
  • 1 Liter kaltes Wasser oder Mineralwasser
  • Eiswürfel
  • Zitronenscheiben

Zubereitung

Die Kräuter leicht zwischen den Fingern andrücken, damit sich die ätherischen Öle lösen. Gemeinsam mit den Zitronenscheiben in eine Karaffe geben. Zitronensaft und Honig hinzufügen und mit Wasser auffüllen. Anschließend mindestens eine Stunde im Kühlschrank ziehen lassen. Vor dem Servieren Eiswürfel dazugeben.

So entsteht eine natürliche Sommerlimonade, die erfrischt, gut schmeckt und ganz ohne künstliche Zusätze auskommt. Für mich ist das eine der schönsten Arten, die Kräuterfülle des Sommers zu genießen.

Auch wenn kalte Getränke im Sommer besonders verlockend wirken, wird es empfohlen sowie die Erfahrungen aus südlichen Ländern zeigt eher lauwarme oder warme Getränke. Der Grund dafür ist einfach: Eiskalte Getränke müssen vom Körper zunächst auf Körpertemperatur erwärmt werden. Das kostet Energie und kann dazu führen, dass wir kurzzeitig zwar Erfrischung spüren, der Körper danach aber verstärkt Wärme produziert. Warme Kräutertees hingegen unterstützen die natürliche Temperaturregulation. Sie fördern oft das Schwitzen, wodurch der Körper sich selbst kühlen kann. Deshalb greifen Menschen in vielen heißen Regionen der Welt auch bei hohen Temperaturen zu warmem Tee. Wer also an einem heißen Sommertag zu einer Tasse Zitronenmelissen-, Pfefferminz- oder Verbenentee greift, mag das zunächst ungewöhnlich finden, tut seinem Körper damit aber oft etwas Gutes. Natürlich gilt wie so oft: Erlaubt ist, was guttut. Manche bevorzugen einen warmen Kräutertee, andere eine Karaffe mit kaltem Kräuterwasser aus dem Garten – beides hat an heißen Tagen seinen Platz.

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