Manche Pflanzen sucht man sich ganz bewusst aus, andere werden mit den Jahren zu alten Freunden im Garten. Borretsch gehört für mich eindeutig zur zweiten Kategorie. Einmal ausgesät, taucht er jedes Jahr wieder irgendwo auf. Mal mitten im Gemüsebeet, mal am Wegrand, mal genau dort, wo man ihn eigentlich gar nicht erwartet hätte. Aber das macht nichts. Im Gegenteil. Seine leuchtend blauen Blüten sind eine Bereicherung für jeden Garten.

Besonders schön finde ich ihn im Gurkenbeet. Dort wächst er gemeinsam mit Dill und Gurken in einer Art natürlicher Harmonie. Während die Gurken ihre großen Blätter ausbreiten und nach den Rankhilfen greifen, schiebt der Dill seine feinen, luftigen Dolden dazwischen. Und mittendrin leuchten die blauen Sterne des Borretsch. Fast wirkt es, als hätten sich die drei abgesprochen.

Diese Kombination ist nicht nur schön anzusehen, sondern hat auch ihren Nutzen. Borretsch zieht mit seinen zahlreichen Blüten Bienen, Hummeln und andere Bestäuber magisch an. Wer an einem sonnigen Sommertag davorsteht, hört sofort das Summen. Der Dill lockt zusätzlich viele Nützlinge an, die im Garten bei der natürlichen Schädlingsregulierung helfen. Die Gurken profitieren von diesem regen Treiben und danken es oft mit einer guten Ernte.

Ursprünglich stammt Borretsch aus dem Mittelmeerraum. Bereits im Mittelalter wurde er in Kloster- und Bauerngärten kultiviert. Wegen seines frischen Aromas wird er auch Gurkenkraut genannt, denn die jungen Blätter erinnern geschmacklich tatsächlich an Gurken. Die Pflanze wächst rasch, erreicht oft bis zu 80 Zentimeter Höhe und blüht von Juni bis weit in den Herbst hinein. Die sternförmigen Blüten wechseln oft von Rosa zu einem kräftigen Himmelblau und machen den Borretsch zu einer der auffälligsten Pflanzen im Kräutergarten.

Der Anbau ist unkompliziert. Gesät wird direkt ins Beet von April bis Juni. Borretsch liebt sonnige Standorte und kommt mit normalen Gartenböden gut zurecht. Hat er sich einmal etabliert, versamt er sich meist selbst. Wer ihn im Garten haben möchte, braucht oft nur einmal auszusäen.

In der Küche werden die jungen Blätter und die Blüten verwendet. Die Blätter passen in Aufstriche, Kräuterbutter, Salate oder Topfenaufstriche. Die Blüten sind essbar und machen sich wunderbar als Dekoration auf Salaten, Nachspeisen oder eingefroren in Eiswürfeln für Sommergetränke. Gerade im Sommer bringen sie Farbe auf den Teller.

Auch als Heilpflanze hat Borretsch eine lange Geschichte. Bereits im Mittelalter galt er als Pflanze, die das Gemüt erfreut. Heute wird vor allem das aus den Samen gewonnene Borretschöl geschätzt, das reich an Gamma-Linolensäure ist und häufig zur Pflege trockener Haut verwendet wird.

Für mich gehört Borretsch zu den Pflanzen, die zeigen, dass ein Gemüsegarten nicht geschniegelt und geschniegelt wie aus einem Hochglanzmagazin aussehen muss. Zwischen Gurken, Dill, Kräutern und Gemüse darf es ruhig summen, blühen und ein wenig wild sein. Genau dort, wo Borretsch seine blauen Sterne zwischen den Gurkenblättern entfaltet, spürt man, wie gut Vielfalt im Garten funktioniert.

Borretsch-Aufstrich mit frischen Kräutern

Wenn der Borretsch im Garten seine blauen Sterne zeigt, wandern bei mir nicht nur die Blüten in den Salat. Auch die jungen Blätter lassen sich wunderbar in einem einfachen Kräuteraufstrich verarbeiten. Ihr frisches Aroma erinnert leicht an Gurken und passt perfekt zu einer Jause mit frischem Brot.

Zutaten:

  • 250 g Topfen
  • 2 EL Sauerrahm oder Joghurt
  • 8–10 junge Borretschblätter
  • einige Borretschblüten
  • 1 Handvoll Schnittlauch
  • etwas Petersilie
  • Salz
  • Pfeffer
  • ein Spritzer Zitronensaft

Zubereitung:

Die jungen Borretschblätter fein hacken. Schnittlauch und Petersilie ebenfalls klein schneiden. Topfen und Sauerrahm glatt verrühren und die Kräuter unterheben. Mit Salz, Pfeffer und etwas Zitronensaft abschmecken.

Vor dem Servieren mit den essbaren blauen Borretschblüten dekorieren. Der Aufstrich schmeckt besonders gut auf frischem Bauernbrot, zu Ofenkartoffeln oder als Dip für Gemüsesticks.

Wer es etwas ausgefallener mag, kann zusätzlich fein gewürfelte Gurke unterheben. Das unterstreicht das typische Gurkenaroma des Borretsch noch stärker.

Ein einfaches Rezept, das zeigt, dass viele Schätze direkt vor der Gartentür wachsen. Die blauen Blüten sind dabei nicht nur hübsch anzusehen, sondern machen aus einer einfachen Jause etwas Besonderes.

Weitere Ideen mit Borretsch:

  • Borretschblüten in Eiswürfel einfrieren
  • Sommersalat mit Gurken, Radieschen und Borretschblüten
  • Kräuterbutter mit Borretsch und Dill
  • Kräuterlimonade mit Zitronenmelisse und Borretschblüten
  • Frankfurter Grüne Soße mit frischem Borretsch
  • Borretsch-Pesto mit Sonnenblumenkernen und Parmesan

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