
Manche Pflanzen kommen für eine Saison in den Garten und verschwinden wieder. Shiso gehört nicht dazu. Hat man ihn einmal angebaut, taucht er meist jedes Jahr wieder auf. Nicht unbedingt dort, wo man ihn haben möchte, sondern dort, wo er selbst beschlossen hat zu wachsen. Mich stört das nicht. Im Gegenteil. Die roten und grünen Blätter bringen Farbe ins Beet und lockern die oft sehr grünen Gemüsebeete auf.
Shiso, auch Perilla genannt, stammt ursprünglich aus Ostasien und wird in Japan, Korea und China seit Jahrhunderten als Gewürz- und Nutzpflanze angebaut. Botanisch gehört er zu den Lippenblütlern und ist damit mit Minze, Salbei und Basilikum verwandt. Das erkennt man nicht nur an den Blüten, sondern auch am Duft der Blätter.
Geschmack und Duft sind etwas ganz Besonderes. Jeder beschreibt ihn anders. Die einen schmecken Minze heraus, andere Zitrone, Basilikum, Anis oder sogar etwas Zimt. Genau das macht Shiso so spannend. Er schmeckt nach nichts, was wir aus unseren heimischen Kräutergärten kennen.
In der Küche sind die Blätter vielseitig verwendbar. Junge Blätter passen fein geschnitten in Salate, auf Butterbrote, in Topfenaufstriche oder Kräuterbutter. Sie harmonieren gut mit Gurken, Tomaten und Frischkäse. In Asien werden die Blätter zu Sushi, Fischgerichten, Reis- und Nudelgerichten serviert. Auch als essbare Dekoration machen sie eine gute Figur.
Wer gerne experimentiert, kann aus Shiso Sirup herstellen oder einige Blätter in Wasser und Limonaden geben. Selbst für Pesto eignet sich das Kraut. Die Samen werden in manchen Ländern ebenfalls als Gewürz verwendet.
Neben seinem besonderen Aroma enthält Shiso eine ganze Reihe interessanter Inhaltsstoffe. Die Blätter enthalten ätherische Öle, Flavonoide, Gerbstoffe und Rosmarinsäure. Dazu kommen die Vitamine A, C und K sowie verschiedene Mineralstoffe. Die roten Sorten enthalten zusätzlich Anthocyane – jene Pflanzenfarbstoffe, die für die intensive rote Färbung verantwortlich sind. Die Samen liefern wertvolle Omega-3-Fettsäuren.
In der traditionellen asiatischen Pflanzenkunde wird Shiso seit langer Zeit geschätzt. Heute steht für viele vor allem sein kulinarischer Wert im Vordergrund. Es ist eines jener Kräuter, die nicht nur gut aussehen, sondern auch neue Geschmackserlebnisse in die Küche bringen.
Der Anbau ist unkompliziert. Shiso liebt einen sonnigen bis halbschattigen Platz und einen lockeren Boden. Nach der Aussaat braucht man etwas Geduld, denn die Samen keimen nicht immer besonders schnell. Hat sich die Pflanze aber einmal etabliert, kümmert sie sich oft selbst um ihre Zukunft.
Auch die Insekten freuen sich über Shiso. Die Blüten werden gerne von Bienen und anderen Bestäubern besucht. Damit ist die Pflanze nicht nur für uns, sondern auch für die Tierwelt ein Gewinn.
Für mich gehört Shiso mittlerweile zu den Pflanzen, die bleiben dürfen. Nicht weil ich sie jedes Jahr neu aussäe, sondern weil sie das selbst erledigt. Wenn zwischen Salat, Mangold oder roten Rüben plötzlich wieder ein Shiso auftaucht, dann darf er stehen bleiben. Ein Garten muss schließlich nicht immer perfekt geplant sein. Manchmal sind es gerade die freiwilligen Gäste, die ihn interessant machen.
Copyright: Barbara Lechner – www.nachhaltiglebenimhianzenland.at