Wintervögel, Spatzen und was ein Garten wirklich braucht
Ich stelle im November das Futter raus und jedes Jahr kommt derselbe Moment: Ist das Einmischung oder Fürsorge? Dann landet die erste Kohlmeise am Häuschen, kurz darauf die Spatzen, und die Frage löst sich auf wie Reif in der Sonne.
Der Winter ist für Vögel eine harte Rechnung. Unsere aufgeräumten Landschaften helfen ihnen dabei kaum noch. Hecken fehlen, Felder sind kahl, viele Gärten bestehen aus Stein und Perfektion. Was für uns sauber wirkt, bedeutet für sie Hunger. Eine Handvoll Kerne ist deshalb kein Luxus, sondern ein kleiner Ausgleich für das, was wir ihnen genommen haben.
Der Garten zahlt es zurück.
Die Gäste vom Futterplatz werden im Frühling zu Mitarbeitern: Meisen holen Raupen aus den Obstbäumen, Rotkehlchen durchsuchen das Beet, und die Spatzen – diese unterschätzten Gesellen – erledigen das Bodenpersonal. Ein Spatzenpaar verfüttert tausende Insekten an seine Jungen. Laut sind sie, frech auch, aber sie halten Blattläuse und Raupen besser in Schach als jedes Mittel aus der Flasche.

Hier im pannonischen Eck, zwischen Feigen, Granatapfel und ein paar störrischen Oliven, merke ich das deutlich. Wenn die ersten Blätter kommen, sitzen die Spatzen wie kleine Wachposten in den Zweigen. Unter dem Nussbaum klauben sie Samen, im Hochbeet picken sie Überzähliges weg. Ein lebendiger Garten reguliert sich selbst, wenn man ihn lässt.
Dafür braucht es nicht viel: gutes Futter statt Brot, saubere Plätze, ein paar wilde Ecken, stehen gelassene Samenstände, vielleicht ein Reisighaufen. Ein Garten muss nicht geschniegelt sein, um gesund zu sein.
Und dann passiert das Schönste:
Der Garten wird lauter, echter, weniger Kulisse. Man steht mit dem Kaffee am Fenster und ist plötzlich nicht mehr Besitzer, sondern Nachbar von Spatz, Zeisig und Zaunkönig.
Ein Garten ohne Vögel wäre ordentlich – aber stumm.
Und besonders ein Garten ohne Spatzen wäre wie ein Dorf ohne Wirtshaus: sauber vielleicht, doch ohne Geschichten.